19. April 2010

Diabetes mellitus und Depression

H. Abrahamian

Depression und depressive Episoden kommen bei Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus  relativ häufig vor. Im Vergleich zur nicht-diabetischen Bevölkerung,  liegt die Häufigkeit des Auftretens einer Depression zumindest doppelt so hoch: Depression bei Typ 2 Diabetes: 18%, Depression bei nicht-diabetischer Bevölkerung: 9%. Das weibliche Geschlecht ist insgesamt häufiger betroffen als das männliche.

Die Zusammenhänge zwischen Diabetes mellitus und Depression sind noch nicht zur Gänze aufgeklärt. Inwiefern die Aktivierung verschiedener Hormonsystme und  Entzündungs-prozesse im Körper, die auch bei der Diabetesentstehung eine Rolle spielen einen Beitrag leisten,  wird sich in zukünftigen Forschungsprojekten zeigen. Wir wissen bereits, dass bestimmte Substanzen,  die das  Fettgewebes produziert, sogenannte Adipokine über Wirkungen im zentralen Nervensystem die Entstehung der Depression fördern können.

Die Diagnose der Depression ist wichtig, da depressive Patienten mit dem Selbstmanagement des Diabetes mellitus häufig überfordert sind und aus dieser Überforderung nicht selten Resignation und Gleichgültigkeit gegenüber der Stoffwechselerkrankung resultieren. Das kann fatale Auswirkungen haben. Wenn die Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum erhöht sind, kommt es zur Schädigung der großen und kleinen Gefäße im Körper und es drohen Herzinfarkt, Schlaganfall und Nieren- und Augenprobleme.  

Der Zusammenhang zwischen Depression, Diabetes mellitus  und Qualität der Stoffwechseleinstellung ist in vielen Studien beschrieben. Depressive Patienten haben häufig mehr diabetische Spätschäden und diese sind auch schwerer ausgeprägt.

Um depressive diabetische Patienten zu erkennen und damit für diese die Chance einer effektiven Therapie zu ermöglichen, wurde eine österreichweite Studie in mehreren Diabeteszentren initiiert. Ziel dieser Studie war, Patienten mit Diabetes und Depression zu erkennen, zu charakterisieren und einer antidepressiven Therapie zuzuführen.

Die geprüfte Hypothese lautete, dass eine effektive Therapie der Depression zu einer Verbesserung der Stoffwechselparameter führt.

Die Diagnose der Depression erfolgte mittels Fragebogen. Typische Antworten bei depressiven PatientInnen waren: Ich habe wenig Freude im Leben, ich fühle mich häufig erschöpft, alles wird mir zu viel, ich schlafe schlecht, mein Interesse an der Umwelt wird immer weniger.

Nach Diagnosestellung erfolgte die Therapie der Depression mit Milnacipran, einem bekannten und bewährten Medikament.  

In der Studie konnte gezeigt werden, dass bei depressiven diabetischen Patienten, durch Therapie mit dem Antidepressivum Milnacipran nicht nur die Depression besser wurde , sondern auch eine deutliche Verbesserung aller Stoffwechselparameter  erreicht werden konnte. Insbesondere konnte dies für HbA1c, Gewicht und Blutfette demonstriert werden.  

Studie: Abrahamian H. et al; Diabetes mellitus and co-morbid depression: Treatment with milnacipran results in significant improvement of both diseases (results from the Austrian MDDM study group). Neuropsychiatric Disease and Treatment, May 2009

 http://www.dovepress.com/diabetes-mellitus-and-co-morbid-depression-treatment-with-milnacipran--peer-reviewed-article-NDT

 

Hinweis: Diese Information ersetzt keine ärztliche Behandlung. Eine effiziente Behandlung von Diabetes & Depression in der hier beschriebenen Therapieform  bedarf ausschließlich ärztlicher Therapie.

Workshop: Wie man Depressionen vermeiden bzw. wieder rausfinden kann.

Fenster schließen